Der Verein

Festansprache zur Jubiläumsveranstaltung der "Initiative Plauen e.V." am 9.12.2005

zum 10-jährigen Bestehen des Vereins im Gemeindesaal der Auferstehungskirche Dresden-Plauen

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Plauener Bürgerinitiative, liebe Gäste!

Eigentlich hätten wir im Januar schon einen 15.Geburtstag feiern können in dem Sinne, wie sich Goldene Hochzeitspaare an ihren ersten Kuss erinnern. Es war nämlich am 31. Januar 1990, dass sich eine noch ganz informell strukturierte Gruppe als "Bürgerinitiative F. C.-Weiskopf-Platz" mit einer energisch formulierten Eingabe an den damaligen OB Wolfgang Berghofer wandte, um auf den zunehmenden baulichen Verfall und die schwierige soziale Situation im Kerngebiet unseres Stadtteiles aufmerksam zu machen und seine städtebauliche Erneuerung zu fordern.
Dieser Brief war ein Anstoß zu der bald darauf beschlossenen, förmlichen Festsetzung des Sanierungsgebietes Plauen und zur Reaktivierung des Plauener Rathauses als Stadtteilzentrum – und einige der 30 Unterzeichner von damals sitzen auch heute unter uns und haben uns die Treue gehalten.

Sie erinnern sich wohl alle an dieses hoffnungsvolle Gefühl des Aufbruchs, das uns zu einer basisdemokratisch geprägten Beteiligung an den öffentlichen Angelegenheiten ermutigte und besonders in den Fragen der künftigen Stadtentwicklung Dresdens aufrief zum Mitdenken, zur konstruktiven Kritik, zum Hinterfragen von Entscheidungen und zu ihrem Abgleich mit den Interessen der betroffenen Bürger.
Solche Einmischung in städtisches Verwaltungshandeln wurde und wird oftmals eher halbherzig geduldet als ehrlich gefördert – es ließen sich da noch kritischere Töne anschlagen, aber unser heutiger Festabend soll doch eher von Freude und Dankbarkeit für das gemeinsam Erreichte geprägt sein.

Uns wurde sehr bald klar, dass die Gründung eines rechtsfähigen Bürgervereins für unseren Stadtteil notwendig wäre, um als Stimme der Bevölkerung öffentlich wahrgenommen und als Partner der Behörden anerkannt zu werden. Ermutigung und Rat fanden sich mühelos in den Interessensgemeinschaften Löbtau, Neustadt und am Elbhang, im Entwicklungsforum, auch aus Hamburg und München bot sic Hilfe an. Herr Sydow vom Stadterneuerungsamt baute uns geradezu goldene Brücken in die Vereinsgründung, indem er uns eine finanzielle Unterstützung der Stadtteilarbeit und die Nutzung des Bürgerbüros im Sanierungsgebie in Aussicht stellte. Danke für diese Anstöße!
Einen gewissen Ansporn gab uns auch die Vorbildwirkung und Strahlkraft des sehr bedeutenden Plauener Bürgers Traugott Bienert, uns für das Gedeihen unseres Stadtteiles nach besten Kräften einzusetzen– auch unter ganz anderen Bedingungen und ohne ein beträchtliches Unternehmervermögen im Hintergrund.
Die Gedenkveranstaltung zu seinem 100.Todestag im Oktober 1994 ( mit einem detailreichen Bienert-Vortrag von Pfr. Dr. Hoch) war die erste öffentliche Aktion der kleinen Initiativgruppe, die damit auch für die Gründung der "Initiative Plauen" warb. Inzwischen waren in vielen Abstimmungen (in der Praxis von Fr. Dr. Kästner) die Ziele und Grundsätze für eine Vereinssatzung formuliert worden. Der Verein konstituierte sich am 18. November 1994 aus 32 Gründungsmitgliedern. Die Eintragung ins Amtsregister erfolgte dann mit einer leicht veränderten Satzung erst im Dezember 1995 – dies ist der formale Ausgangspunkt für unser kleines Jubiläumsfest.
Ich möchte Sie heute Abend nicht mit einem ausführlichen Rückblick auf die in 10 Jahren geleistete Arbeit strapazieren– dies würde die Zeit für die beiden nachfolgenden Referenten zu sehr einschränken und das Feiern zu kurz kommen lassen.
Auch ein Verein sollte sich nicht in Selbstlob ergehen und lieber beharrlich und bescheiden in kleinen Schritten auf einem als richtig erkannten Weg fortschreiten.
Ihr so zahlreiches Kommen macht uns deutlich, dass Sie den Einsatz unserer Plauen-Initiative anerkennen und unterstützen. Darüber freuen wir uns!

Aber wenn ich die in der Satzung fixierten Aufgaben als Rahmen benutze, dann kann ich vielleicht zusammenfassend einige Themen in den Blick nehmen, die Schwerpunkte unserer Arbeit in diesem Zeitraum gewesen sind. Ich führe sie vor allem an im Blick nach vorn in die Zukunft, um deutlich zu machen, wofür es sich nach unserer Meinung zu streiten lohnt – und wozu wir Ihrer aller tatkräftige Unterstützung und Anregungen brauchen. Hinter jedem Stichwort verbirgt sich Diskussionsstoff für Stunden, aber ich mache es kürzer!
Die Satzungszwecke sind mit Rücksicht auf die erklärte Gemeinnützigkeit etwas spröde formuliert:

  1. Heimatpflege
    • Bienertmühlen- Gelände – Entwicklungskonzepte S/N ab 1995, Sicherung Villa,
    • Wiederbelebung Park und Wegebeziehung – Beratung/Anregung Fa. AIT/ Stadtplanungsamt/ Denkmalschutzamt
    • Entwicklung Plauenscher Grund – mit WIMAD e. V./Bienert-Förderverein/ Weißeritz-Foren
    • Bienert-Höhenpark und Hoher Stein – Bemühungen um Sicherung/Sanierung/Gestaltung
    • Rekonstruktion Fichtepark und –turm, Jubiläumsfeier 100 Jahre und eigene Festschrift (Auflagen 1996+2003) Durchführung einer Spendenaktion - Dank an das städtische Grünflächenamt/ Amtsleiter Herr Thiel
    • Baupreis Plauen für Denkmalpflege und Neues Bauen 2002/2004 - Fr. Lunkwitz
  2. Natur- und Umweltschutz (vergleiche auch Verkehr)
    • Förderung des öPNV, für Erhalt der Straßenbahn Linie 8, Busverkehr zum Stadtzentrum und Erschließung Ost-West, Trassierung für schnelle Pilot-Li.3 ohne Straßenkonkurrenz
    • Verkehrsberuhigung Plauenscher Ring/Coschützer/ Cunnersdorfer/ Nöthnitzer Str., Tempo 30-Zonen für Oberplauen/Würzburger Str.– Radverkehrsförderung --> Herr Dr. Zweynert
    • Erörterungen A17-Trasse stadtnah, Kritik belastet unsere IP, Problematik Autobahn-Schleichverkehr und dessen Begrenzung- Foren mit Verkehrsplanern und BI’n südlicher Stadtteile
    • Diskussion und Vorschläge für D Bahn AG zur Umgestaltung Bhf. Plauen –sehr schwieriger, weil zu komplex organisierter Partner
    • Scharfe Auseinandersetzungen um Verkehrskonzept 1994– geplante Folgen:
      Hauptstraßenausbau der Hofmühlenstraße trotz Denkmalschutzgebiet mit katastrophalen Auswirkungen
      Hauptstraßenausbau und 4 Großbrückenkonzepte erfolgreich abgewehrt, aber noch "Kampfthema" zur Erhaltung und Entwicklung sowie Bebauung des alten Dorfkernes, Lebensraum am Fluß und Grünzone mit neuen Perspektiven anstelle Hauptverkehrszug
    • Diskussionen zu Hochwasserfolgen und –schutz -ganzheitlich auch zusammen mit Städtebau/ Naturraum/ Verkehr/ Brückenbau– gute Kontakte zu TU Dresden/ HTW Dresden und externem Expertenteam, auch USA-Studenten Stadtratskontakte und Pressearbeit dank Herrn Heymann und kooperative Haltung beteiligter ämter
  3. Sozio-Kultur
    • Unterstützung Jugendzentrum Plauener Bhf.
    • Stadtteilfeste mit Jugendzentrum, eigene Straßenfeste der IP auf der Hofmühlenstraße an der Weißeritz als "Demo" für Lebensfreude trotz Problemgebietscharakter
    • Beteiligung am Familienfest 1.Mai am Fichtepark
    • Neubelebung Tradition Pfingstsingen am Fichteturm --> Fr. Buckram
    • Konzerte, Lesungen und Vorträge bei IP-Veranstaltungen/ Bürgerforen
    • Schulentwicklungsplanung, z. B. Diskussion für Erhalt der 39.Grundschule, Beteiligung an Schulfesten, z. B. Gymnasium, 39. Grundschule, 55. Mittelschule
  4. Heimatkunde Dokumentation /Publikationen mit begrenzter Kapazität
    • Sammlung historischer Bilddokumente, Dokumentationen über das Hochwasser 2002
    • Vorträge zur Ortsgeschichte (Herr Todt, Herr Kahlert, Dr. Hoch), Ausstellung im Ortsamt über Bienert, Baupreisverleihung
    • Vorbereitung Wiedereinweihung Bienert (büste)-Denkmal Oktober 1994
    • Beiträge über Plauen in "Stattbuch" u.a. Publikationen, Fichteturm-Heft 2.Auflage
    • Mitwirkung am Projekt "Kulturwanderung 1996"
  5. Bürgerbeteiligung an Stadterneuerung
    • Veranstaltungen, Diskussionen u. Stellungnahmen zu Bau und Verkehr im Sanierungsgebiet – v.a. Einsatz für Erweiterung bis zur Weißeritz --> Erfolg!
    • Einflussnahme auf B-Pläne und Baugestaltung am F. C.-Weißkopf-Platz
    • Mehrere thematische Bürgerversammlungen, Teilnahme an Ortsbeiratssitzungen, u. a. mit SPA zu Stadtplanung u. Verkehr
    • Einflussnahme auf Weißeritzprojekt/EFRE und Grünzug-Planungen in diversen öffentlichen, Veranstaltungen und Workshops, Anregung und Begleitung von Studenten-Projekten und Forschungsaufgaben zum Weißeritzgebiet
    • Experten-Studie "Weißeritz 2020" (aus 2004) alternativ zur städtischen Planung– aber Resonanz noch unbefriedigend
    • Aktivitäten für Stadtspaziergänge 2004/05 mit Stadtplanungsamt (SPA) sowie Institut für ökologische Raumentwicklung (IöR)
  6. Zusammenarbeit mit Stadtteilinitiativen
    • Vernetzung mit Bürgerinitiativen in Löbtau, Blasewitz, Elbhang, äußere Neustadt, Entwicklungsforum
    • Kooperationen mit Anliegern zwecks Eindämmung von Autobahn-Schleichverkehr
    • Arbeitskontakte zum WIMAD e. V. und seit Gründung mit dem Bienert-Förderverein /Plauenscher Grund
    • aktive Verbindungen zur TUD, Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, IöR, Landestalsperrenverwaltung (Hochwasserschutz für Weißeritz/ Altplauen).
    • enger Austausch mit Stadträten sowie dem Ortsbeirat Plauens
    • Pressearbeit wesentlich aktiviert durch Herrn Heymann

Ich muss es bei dieser Auswahl belassen. Sie können nachher in den Gesprächen gern genauer nachfragen. Sie sollten einen kleinen Einblick bekommen in das weite Feld von Aktivitäten, das viel Kraft zum Beackern braucht. Vielleicht entschließt sich der bzw. die Eine oder Andere zu aktiver Mitwirkung und zum Einbringen seiner Kompetenz oder auch nur zur finanziellen Unterstützung, die wir dringend brauchten.

Allen denen, die unseren Verein mit gegründet haben, die Arbeitslast und Verantwortung trugen (Herr Brendler, Herr Heymann), oder die unser Wirken kritisch begleitet oder auch mal unter uns gelitten haben, sei heute herzlich Dank gesagt. Besonderen Dank auch den kooperativen Partnern im Ortsamt, in ämtern der Stadtverwaltung, in den Schulen und Hochschulen wie auch heute Abend in der Auferstehungsgemeinde – und allen, die dieses kleine Fest mit ausgerichtet haben!

Ich wünsche Ihnen einen vergnügten und unterhaltsamen Abend und darf Ihnen nun Herrn Dr. Matthias Lerm ankündigen, der seinen Vortrag -quasi als einen Strauß Blumen für unsere Initiative Plauen- darbieten möchte.

Andreas Friedrich 7.12.2005